Das Badhaus
Das Badhaus




Bericht am 27.12.1903 im Mittelbadischen Courier

Bericht 16.8.1911 im Volksfreund
Das Badhaus zählt heute zu den ältesten Häusern des Dorfes. So, wie es heute steht, wurde es im Jahre 1623 wieder aufgebaut, nachdem es beim großen Kroatenbrand 1622 völlig zerstört worden war.
Die erste Badstube gab es bereits im 15. Jahrhundert in Malsch. Man versprach sich viel von der Wirkung der warmen Bäder sowohl für den gesunden als auch für den kranken Körper. Anders als in den großen Städten, wo die Badehäuser einen zweifelhaften Ruf hatten, gab es in den Gemeinden strenge Baderegeln. Darin waren die Pflichten des Personals, der Badeknechte und Bademägde, festgehalten und den Badegästen wurde "züchtiges Verhalten" vorgeschrieben . Gebadet wurde nach Geschlechtern getrennt.
In Zedlers Universallexikon von 1733 wird eine öffentliche Badestube so beschrieben:
"Es siehet aber eine Badstube also aus: Es ist nemlich ein niedriges Gemach, an dessen einem Ende ein Ofen, neben diesem Ofen aber ein Kessel mit heißen, und ein Kübel mit kalten Wasser ist, daraus man schöpffen, und wie man es brauchen will, die Wärme mäßigen kann. An denen Wänden sind Bäncke vor und über einander, darauf man sich höher oder niedriger setzen kann, nachdem man starck oder gelinde zu schwitzen verlanget, und diese werden die Schwitz-Bäncke genennet. Diejenigen, welche naß baden wollen, setzen sich in eine Bade-Wanne, die mit Wasser angefüllt ist."
Das Malscher Badhaus bestand ursprünglich aus zwei Gebäuden mit getrennten Eingängen:
• die Badstube: Darin befanden sich die Badezuber, hölzerne Bänke (Schragen) und ein Ofen.
• das Wohnhaus des Baders: Dort behandelte der Bader (Wundarzt) die Kranken. Gleichzeitig betrieb dort auch der Barbier sein Gewerbe, schnitt Haare, rasierte und stutzte Bärte.Schon um 1405 wurde das Malscher Badlehen als Eigentum des Klosters Herrenalb erwähnt. Das Gebäude und die Einrichtung musste vom Bader käuflich erworben werden. Nur das Lehen gestattete dem Bader, sich als Wundarzt zu betätigen und er erhielt dadurch gewisse Freiheiten und Rechte, die begehrenswert waren. Beispielsweise war er frei von der Einquartierung badischer Truppen und musste keinen Kriegsdienst leisten, der ihn zu weit vom Dorf weggeführt hätte. So war dieser Lehensbrief eine wichtige Urkunde, die es sorgfältig aufzubewahren galt.
Der Bader war für die Behandlung der Menschen in Malsch und in den zu Malsch gehörenden Dörfern zuständig. Er richtete gebrochene Glieder, zog Zähne, behandelte Abszesse und war für den beliebten Aderlass zuständig.
Die beiden ersten Bader waren ab 1505 Diebold Bethart und Hanns Schefflenz, 1593 übernahm der Herrenalber Lehensmann Georg Rauch das Badehaus. Ab 1603 wurde die Badstube wieder markgräflich badischer Besitz und 1660 wurde Georg Bender; dann Jakob Bender belehnt.
Von 1700 bis 1800 befand sich das Wohnhaus im Besitz der Wundarztfamilie Mayer. Johann Michael Mayer erwarb das Haus und übergab es 1760 seinem Sohn Franz. Der Erblehensbrief wurde ihm erst ausgestellt, als er den Nachweis erbrachte, dass die Badstube wieder «gut im Bau» war. Über 30 Jahre ruhte der Betrieb. Später übernahm seine Tochter das Haus, als sie den Wundarzt Anton Leiner heiratete. Nach dessen Tod verkaufte sie 1800 das Badlehen für 35 Gulden an den badischen Fiskus. Damit erlosch das alte Badlehen. Im Lauf der Zeit hatten Badstube und Wohnhaus verschiedene Besitzer. Die alte Badstube wurde schon Anfang des 20. Jahrhunderts abgerissen und durch ein modernes Wohnhaus ersetzt. Heute steht nur noch das ehemalige Wohnhaus des Baders am "Pfarrgässle".
Das Lehensgesuch des Hanß Jacob Baders an den Landesfürsten
Nach nur vier Jahren nach dem Lehen verstarb Georg Bader. Ein viertel Jahr später schrieb der älteste Sohn Hanß Jacob ein Gesuch an den Lehensgeber zur Übernahme der Badstube.
Er beschrieb, daß er neben der Badstube in einem kleinen Häuschen zusammen mit drei Geschwistern wohne, selbst Bader, so wie sein Bruder, der sich jedoch auf Wanderschaftbefindet, sei und die Badstube pflegen wolle.
Es wird vermutet, dass das Gesuch, nachdem Georg Bader ab 1600 Lehensnehmer war, 1604/1605 an den derzeitigen Landesfürsten Friedrich I. gerichtet worden ist. Nach der Aufhebung des Klosters Herrenalb gehörte Malsch 1536 bis 1604 dem neuen Dorfherrn Herzog von Württemberg.
Der Bader - Barbier und Arzt
Bestecke für Aderlass, Schröpfköpfe, chirurgische Instrumente, Arzneimittelbehälter, gebrannte Wässer, Öle, Verbandszeug, Zahnzangen, Arznei- und Kräuterbücher, Waschstuhl oder -bank, Wasserkübel und nicht zuletzt Rasierzeug gehörten zum Arbeitszeug des Baders.
Jeder Bader war auf die Einkünfte aus Körperpflege und Wundarznei angewiesen, denn sie stellten die eigentlichen Einnahmen der Badestube dar.Das Badegeschäft war nur ein reines Pfenniggeschäft. Aus der Badestube in Mosbach ist überliefert, dass Kinder von 12 bis 14 Jahren, Knechte und Mägde zwei Pfennig Badegeld bezahlten.Bis Ende des 17. Jahrhunderts war die Brandbekämpfung noch nicht durch Feuerwehren organisiert. Handwerker des Ortes und auch der Bader wurden zum Löschen herangezogen. In der Badestube neben dem Mühlbach wurden Zuber und Bottiche bereitgehalten.
In einigen Beschreibungen zum Beruf des Baders finden sich Aussagen darüber, dass diese Berufsgruppe, die mit schmutzigen und übelriechenden Körpern und Ausscheidungen zu tun hatten, ausgegrenzt wurden. Demgegenüber wurde der Badervielerorts "ehrlich" gemacht und fand in der Zunft der Schmiede Aufnahme.
Die Scheu vor dem Baden und der Gräuel vor Wasser im 18. Jahrhundert ließ nur noch das Händewaschen zu. Von fließendem Wasser zur Reinigung hielten sowohl das arbeitende Volk als auch Herrscher nichts mehr. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts löste das Wasser die tägliche Trockentoilette wieder ab.
Allerdings wurde allgemein empfohlen nicht maßlos zu baden. Unfruchtbarkeit, äußerliche Entstellung, Dickleibigkeit und vieles mehr wurde auf zu häufiges Baden zurückgeführt.
Baden im Mittelalter - Reinheit und Fluch
Als im 12.
Jahrhundert die öffentlichen Bäder aufkamen, waren diese zunächst nur
in Städten zu finden. Sie breiteten sich jedoch bald auf das ganze Land
aus.
Als es Anfang des 15. Jahrhunderts bereits in Malsch eine
Badestube gab, war das Dorf damit gut ausgestattet. Die Badestuben
gehörten neben Schmieden, Mühlen und Wirtshäusern zu den "ehhaften"
Institutionen im Ort, waren rechtlich privilegiert und von den
Genehmigungen der jeweiligen Landesherren abhängig.
Das Badhaus war
günstig direkt am Mühlenbach gelegen. Es musste kein Wasser geschleppt
werden. Wie viele Räume das Badhaus besaß, ob Männer und Frauen zu
unterschiedlichen Tagen die Baderäume benutzten, oder die Fläche im Haus
getrennt war, ist nicht überliefert. In zahlreichen Schriften wird
berichtet, daß in den Badhäusern Sittenverderb herrschte. Die Badestube
des Baders war relativ klein. Es ist auch nicht bekannt, ob es eine
Umziehstube gab, oder die Gäste sich schon zuhause umgezogen haben.
In großen Städten wurden im 15. und 16. Jahrhundert viele Badeanstalten wegen Seuchen und Holzmangels geschlossen.
Warten bis zum Sankt Nimmerleinstag
Ein Zeitungsbericht im Volksfreund von 16.8.1911 nimmt kein Blatt vor den Mund. In kommunalen Belange wurde auch schon vor über 100 Jahren die sachliche Ebene zu Gunsten eines rauhen Tones verlassen.
Im Oktober 1912 wurde dann doch noch das Freibad genehmigt. Über 10 Jahre hatte man diskutiert und geplant.