Die Alte Schmiede




In Malsch wurden nach den Aufzeichnungen von Lore Ernst in der Geschichte des Dorfes Malsch von 1700 bis 1800 drei Schmieden betrieben. Im 19. Jahrhundert wurde von Anton Laible (geb. 1827) die Schmiede in der Kreuzstraße eröffnet.
Nach den Einträgen im historisch, statistisch, topographischen Lericon des Großherzogtums Baden von 1814 gab es vier Schmieden, drei Nagelschmieden und einen Messerschmied.
Ignatz Laible (geb. 1864) führte die Schmiede weiter und übergab sie an seinen Sohn Berthold (geb. 1900). Dessen Sohn Josef führte diese bis Mitte der 1950ger Jahre als Huf- und Nagelschmiede. Ab und an hat er bis 1975 noch den Reif eines Holzrades hergestellt oder eine Sense gedengelt.
Die Räume im Schmiedegebäude waren vermietet, im Wohnhaus wohnte Schwester Klara (betrieb die Milchzentrale und verkaufte Milch und Käse im "Milchauto", gelenkt vom "Milchseppl", der regelmäßig durch Malscher Straßen fuhr.
Die Schmiede legte sich in einen Dornröschenschlaf.
Als sich der SWR 2009 die Schmiede als Drehort für den Märchenfilm der Froschkönig meldete, feuerte "Joschi" Laible die Esse nochmals an.
Richy Müller schwang als der Eiserne Heinrich den Hammer. Für einige Tage wurde die Schmiede zum Leben erweckt und fiel bis 2020 wieder in ihren Schlaf.
Ein Kleingehöft mitten im Ort.
Um 1900 wurde das linke Gebäude auf dem Anwesen Kreuzstraße 15 errichtet. Der rechte Teil mit dem kleineren Wohnhaus bereits
1839.
Fast jedes Dorf hatte früher seinen Schmied. Der Alltag wäre sonst unweigerlich ins Stocken geraten, schon weil Pferde und Wagen
ohne Hufeisen und metallene Reifen um die Holzräder bald nicht diensttauglich gewesen wären.
Diese Zeit ist längst vorbei. Umso erfreulicher, dass in dem historischen Betriebsgebäude in der Kreuzstrasse 15 trotzdem noch die komplette technische Ausstattung und die Organisation einer Schmiedewerkstatt im Originalzusammenhang veranschaulicht werden kann. Im Mittelpunkt der Schmiede steht der Schmiedeherd, die Esse. Hier wurde das Schmiedefeuer entzündet. Das geschah wie vielerorts üblich: Die Schmiedekohle – keine Braunkohle, sondern im Idealfall ein Gemisch aus Steinkohle und Koks – wurde in eine Feuerschüssel geschichtet und mit Papier und Holz entzündet. Dann wurde das Feuer durch einen Blasebald oder Elektrogebläse kräftig angeheizt.
Beschreibung des Objektes im Geoportal Baden-Württemberg:
info : Winkelhof mit Wohnstallhaus, Remise und Handwerkerhaus samt Schmiede:
- Handwerkerhaus, zweigeschossiger, verputzter Massivbau mit
Schmiedewerkstatt im Erdgeschoss und darüber befindlicher Wohnung,
Satteldach, rechteckige Fenster- und Portalöffnungen,
Pfettenköpfe mit gesägten Brettelementen, Schmiedewerkstatt
mit ornamentierter, preußischer Kappendecke, samt historischer
Ausstattung der Schmiedewerkstatt, erbaut 1880;
- Wohnstallhaus, eingeschossiger verputzter und teils in
Fachwerk errichteter Bau mit Satteldach, teils hoher Kellersockel,
Kellerportal mit Jahreszahl und Namensinschrift im
Bogenscheitel, erbaut 1839 (i);
- Hofraum Die winkelförmige Hofanlage bildet einen wichtigen Bestandteil der historischen Bebauung am westlichen Ortskernrand und setzt sich aus dem 1839 errichteten Wohnstallhaus, dem 1880 erbauten Handwerkerhaus, der dazwischenliegenden Remise sowie dem Hofraum zusammen. Das Handwerkerhaus beherbergt dabei neben dem Wohnbereich im Obergeschoss eine authentisch überlieferte Schmiedewerkstatt mit separatem Zugang, ornamentierter, preußischer Kappendecke sowie historischer Werkstattausstattung im Erdgeschoss. Somit liefert die Hofanlage einen anschaulichen Einblick in die bäuerlich bzw. handwerklich geprägte Lebens-, Wohn- und Arbeitskultur des 19. Jahrhunderts in Malsch und gibt zugleich Auskunft über die damalige Alltags-, Erwerbs- und Handwerkswelt im Ort. Angesichts ihrer wohl überlieferten Bausubstanz besitzt die Hofanlage zudem aussagekräftigen Quellenwert für die regionale Hausforschung. Nicht zuletzt macht die Schmiedewerkstatt die lokale Technik- und Handwerkgeschichte des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts in geradezu musealer Weise erlebbar.
WMS LAD Archäologische Kulturdenkmale in Baden-Württemberg
Das Denkmal und das K15-Projekt
Das Gebäudeensemble aus dem 19. Jahrhundert – bestehend aus
Schmiedehaus, Scheune und Wohnhaus – ist eines der letzten vollständig
erhaltenen innerörtlichen Gehöfte mit Handwerksbetrieb. die Vision des Vereins: Das Anwesen zu bewahren, sanft zu renovieren und für die
Gesellschaft erlebbar zu machen.
Ein Denkmal ist gebaute Heimat
Alte Gebäude wie diese sind sichtbare Symbole eines Ortsgefühls und der Heimat. Obwohl die äußere Erscheinung auf den ersten Blick keine besonderen Merkmale wie Fachwerk aufweist, steckt in ihnen ein unschätzbarer historischer und kultureller Wert. Die Nutzungsmöglichkeiten des Anwesens gehen dabei weit über die Schmiede als Museum hinaus – so vielseitig, dass die vorhandenen Räume kaum ausreichen! Mit behutsamer Instandsetzung, orientiert an der historischen Bauweise, bewahrt der Verein K15 Alte Schmiede Museum Malsch e.V. dieses wertvolle Zeugnis des Handwerks und der Landwirtschaft.
Ursprünglich von der Gemeinde 2008 für ein Kulturzentrum erworben, drohte der Verkauf wegen untragbarer Kosten. Mit der Vereinsgründung 2020 setzt sich der Verein dafür ein, die historische Substanz zu erhalten und eine bürgernahe Nutzung sicherzustellen.
Ein Projekt mit Zukunft
Am 22. Februar 2022 stimmte der Malscher Gemeinderat für das Projekt
K15 Alte Schmiede. Damit begann die Erarbeitung des
Erbbaurechtsvertrags. Nur sieben Monate später, am 22. September 2022,
wurde der Vertrag zwischen der Gemeinde und dem Verein
unterzeichnet.
Seitdem ist viel passiert: Die ersten Bauhandwerksfirmen wurden zur Beratung und Angebotserstellung eingeladen, um die Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde vorzubereiten. Bereits jetzt konnten erste Meilensteine umgesetzt werden: Die ursprüngliche Dorfschmiede ist ein lebendiges Museum, und 2024 wurde mit dem Spielzeugmuseum ein weiteres Highlight eröffnet. Inzwischen sind in den verschiedene Räumlichkeit schon mehrere Ausstellungen gezeigt worden.
Anfang 2025 musste die Dachgaube, die leider total zusammengebrochen war, instandgesetzt werden. Darüber hinaus sind wichtige Arbeiten aus statischen Gründen umgesetzt. Im Hof wurde eine geschotterte Fläche wieder zum Bauerngarten umgestaltet.