Die Stadtmühle

Die Stadtmühle mit Mühlenplatz
Die Stadtmühle mit Mühlenplatz

Fast 500 Jahre Kampf um die untere Mühle in Malsch...

Im Jahr 1470 findet sich erstmals ein Hinweis auf eine Mühle in Malsch.
"Item unseres Herrn Markgrafen Kornvogt zu Malsch, der Kastener genannt, heißet uns, des Markgrafen arme Lüt zu Malsch, in seiner Mül mahlen, das doch von altersher nit geschehen".
Nach dem Verkauf des Dorfes durch das Kloster Herrenalb an den Markgrafen waren auch umliegende Dörfer gezwungen ,in Malsch mahlen zu lassen. 1511 ist die Stadtmühle erstmals urkundlich erwähnt, war jedoch in einigen Rechten gegenüber der schon seit dem 14. Jahrhundert bestehenden oberen Mühle - auch Böhmenmühle genannt - (Waldprechtsstraße 84), eingeschränkt.
1599 verkaufte der Müller Franckh die Stadtmühle an Wendel Gräßer, der kein Malscher Bürger war und damit kein Recht hatte, diese zu erwerben. Die Kaufverhandlungen erstreckten sich deshalb über zwei Jahre. Nur durch Fürsprache des Abtes von Herrenalb kam das Erblehen zustande. Aber es kam zudem ein hartes Leben auf die Familie Gräßer zu. Der Lehenszins war sehr hoch und die Pest nahm 1641 Wendel die Frau und zwei Söhne.
1651 ist des "Gräßerhans" Sohn Michael Gräßer im Erblehensbrief eingetragen und wiederum dessen Sohn Johannes führte die Mühle um 1700 weiter. 

Der Stadtmüller zählte zu den reichsten Dorfbewohnern und hatte mehrere Häuser, Äcker, Wiesen und Rebberge. Das Vermögen erlaubte ihm auch das Kreuz an der Kirche St. Cyriak zu spenden. Er verewigte sich mit dem Familienwappen: ein Mühlrad mit zwei Löwen, die eine Krone tragen.
Es entfachte ein heftiger Streit mit den Müllern Martin Neukamm und Johannes Knam, als Johannes Grässer 1726 um Erlaubnis für einen zweiten Mahlgang bat. Aber auch seine Position als Stabhalter half nicht. Das Verfahren zog sich über sechs Jahre hin. Die Genehmigung wurde nicht erteilt.
Nach dem Tod des Müllers übernahm die Ehefrau "Anna Maria, die Müllerin" die Geschäfte und übergab diese 1760 an ihren Sohn Johannes Gräßer III. Auch er scheiterte mit einem wiederholten Gesuch und dem Antrag auf ein verbessertes Wasserrad. Alle Fürsprecher im Ort halfen nichts.
Zwischenzeitlich wurde die über 100 Jahre ansässige Müllerfamilie zusehens vermögensloser. Die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts waren durch Kriege und schlechte Ernten und dadurch mit großer Armut im Dorf, geprägt.

Lehensurkunde des Markgrafen Ludwig Georg (1702-1761), Sohn von Sibylla Augusta und Ludwig Wilhelm/Türkenlouis), wegen seiner Jagdtleidenschaft hieß er im Volk "der Jägerlouis". Die Urkunde besagt, dass Johannes Gräßer jedes Jahr zu St.Martin die erforderlichen Kosten zur Deckung der Mühle an den Herrscher zu zahlen habe, die Mühle vor jedem Schaden zu bewahren, keine Schulden machen und nichts verpfänden dürfte. "So geschehen Rastatt den 1Sten April des eintausend sieben hundert sechzigsten Jahr ., GLA K229 U Nr. 56, Bild 1
Lehensurkunde des Markgrafen Ludwig Georg (1702-1761), Sohn von Sibylla Augusta und Ludwig Wilhelm/Türkenlouis), wegen seiner Jagdtleidenschaft hieß er im Volk "der Jägerlouis". Die Urkunde besagt, dass Johannes Gräßer jedes Jahr zu St.Martin die erforderlichen Kosten zur Deckung der Mühle an den Herrscher zu zahlen habe, die Mühle vor jedem Schaden zu bewahren, keine Schulden machen und nichts verpfänden dürfte. "So geschehen Rastatt den 1Sten April des eintausend sieben hundert sechzigsten Jahr ., GLA K229 U Nr. 56, Bild 1

1793 wurde der Pfleger Johannes Griesinger eingesetzt, der die Mühle an eine Müllersfrau Namens Hafner aus Durmersheim verpachtete. Als sich die Schlacht von 1796 auch auf das Dorf ausweitete, wurde die Mühle schwer beschädigt und geplündert, so daß die Müllersfrau konnte die Pacht nicht mehr bezahlen.
Über den Schwiegersohn von Michael Gräßer kam die Mühle wieder in Familienbesitz. Bis 1833 führte Philipp Gräßer die schlecht gehende Mühle, bis diese zehn Jahre später von Sebastian Gräßer, ein Sohn Michael Gräßers, gekauft wurde. Johannes Hild  verpachtete diese an Andreas Neidhard. Durch Erbteilung führte Valentin Hild die Stadtmühle weiter und verkaufte sie 1843 an Sebastian Gräßer, Sohn des Michael Gräßer. Dessen Sohn, Josef Gräßer, gab die Mühle nach 280 Jahren Familienbesitz an den Müller Friedrich Kammerer aus Stein, der sie vier Jahre später 1882 an Karl Bürck aus Niefern verkaufte.  Dessen Sohn August renovierte die Mühle und stockte das Gebäude um eine Etage auf.
Der Schwiegersohn Willi Hertweck war von 1958 bis 1972 als Müller tätig. 1994 renovierte die Gemeinde und errichtete ein Mühlenmuseum. 

500 Jahre der Geschichte der Mühle sind bekannt. Offen bleibt die Frage weshalb und wann die Mühle im Dorf Malsch, zur "Stadtmühle" wurde.

Der Müllerspruch
"Glück zu" rief der Müller und riefen seine Knechte. Der Ursprung liegt wohl in der Zeit als die Müllergesellen auf Wanderschaft gingen und das Glück von Mühle zu Mühle tragen sollten.
Der Spruch sollte die Mühle und ihre Besitzer vor Unheil bewahren und den Wandersgesellen "viel Glück auf allen Wegen" bringen.
Glück konnte der Müller immer gebrauchen. Die Mühle war ein gefährlicher Ort. Konnte der Müller die vielen Geräusche der Arbeitswege nicht deuten, drohte Gefahr.
Schnell waren die Förderrohre verstopft oder Holz fing durch Reibung Feuer. Mehlstaub konnte durch Selbstentzündung explodieren.
Glück musste der Müller auch haben, wenn der Mühlbach im Sommer genug Wasser förderte und im Winter nicht allzu lange eingefroren war.
So ist es nicht verwunderlich, daß im 19. Jahrhundert eine Statue des heiligen Nepomuk unweit der Mühle stand, dem Schutzpatron der Müller.

St.Nepomuk and der Pferdetränke vor der Stadtmühle, ca. 1890
St.Nepomuk and der Pferdetränke vor der Stadtmühle, ca. 1890